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Chinesische Transporter in Europa

Der europäische Automarkt verändert sich schneller, als man es noch vor wenigen Jahren erwartet hätte. Deutsche Konzerne, die jahrzehntelang als Fundament der Branche galten, kämpfen immer häufiger mit Kostendruck, sinkender Nachfrage und Konkurrenz aus China. VW fährt die Produktion zurück, und Mercedes-Benz sucht auch bei der Organisation der Arbeitszeit nach Einsparungen. Gleichzeitig sind auf europäischen Straßen immer mehr Pkw von Marken wie MG, BYD, Omoda, Chery oder Jaecoo zu sehen.

Ein ähnlicher Prozess beginnt nun im Segment der Nutzfahrzeuge. Chinesische Transporter in Europa sind noch kein Massenphänomen, doch mehrere Marken tauchen bereits konkret in den Angeboten von Händlern, Flottenanbietern und Importeuren auf. Meist handelt es sich um elektrische Modelle, die für Stadtlieferungen, Umweltzonen und kurze, wiederkehrende Strecken entwickelt wurden. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten chinesischen Transporter vor, die den europäischen Markt beeinflussen können.

Maxus Deliver 9

Der Maxus Deliver 9 ist einer der bekanntesten chinesischen Transporter, die in Europa erhältlich sind. Die Marke Maxus gehört zum SAIC-Konzern, einem der größten Automobilhersteller Chinas. Den Deliver 9 gibt es als großen Diesel-Transporter, während der e-Deliver 9 sein elektrisches Gegenstück ist. Das Fahrzeug wird als Alternative zu großen europäischen Kastenwagen wie Ford Transit, Renault Master, Volkswagen Crafter oder Mercedes Sprinter positioniert. Sein größter Vorteil ist das Verhältnis von Preis zu Laderaum, auch wenn für Flotten die Verfügbarkeit von Service und Ersatzteilen ebenso wichtig bleibt.

Maxus Deliver 9 chinesischer Transporter in Europa

Bildquelle: Maxus

Maxus e-Deliver 3

Der Maxus e-Deliver 3 ist ein kleinerer, vollelektrischer Transporter, der vor allem für die Stadt gedacht ist. Er ist kein direkter Konkurrent der größten Lieferwagen, denn er richtet sich an Kurierdienste, Servicebetriebe und lokale Lieferungen. Die kompakten Abmessungen erleichtern das Rangieren, und der Elektroantrieb ermöglicht den Einsatz in Niedrig- oder Nullemissionszonen. Dieses Modell zeigt, in welche Richtung chinesische Hersteller ihr Angebot in Europa besonders gern entwickeln: weniger maximale Größe, dafür mehr Fokus auf Preis, Einfachheit und den täglichen Einsatz in der Stadt. Für Unternehmen, die überwiegend im Ballungsraum unterwegs sind, kann er eine interessante Alternative zu kleinen europäischen Elektrotransportern sein.

Maxus e-Deliver 3 elektrischer Stadttransporter

Bildquelle: Maxus

Farizon SV

Der Farizon SV ist einer der interessantesten neuen chinesischen Elektrotransporter, weil er keine Umrüstung eines Verbrenners ist, sondern von Anfang an als Elektrofahrzeug entwickelt wurde. Die Marke gehört zur Geely-Gruppe, die in Europa unter anderem durch Verbindungen zu Volvo, Polestar und LEVC bekannt ist. Der Farizon SV soll mit großen und mittelgroßen Elektrotransportern konkurrieren und verschiedene Karosserievarianten, große Batterien und schnelles Laden bieten. Seine Stärke ist die moderne Konstruktion, die größte Herausforderung wird jedoch der Aufbau von Vertrauen bei Flottenkunden sein. Bei Transportern reicht der Preis allein nicht aus, denn Unternehmer zählen vor allem Einsatzzeit, Servicebetreuung und Teileverfügbarkeit.

Farizon SV chinesischer Elektrotransporter

Bildquelle: Farizon

BYD E-Vali

Der BYD E-Vali kündigt den Einstieg eines der wichtigsten chinesischen Elektroautohersteller in das Segment großer Nutzfahrzeuge in Europa an. Das Modell wurde als elektrisches Nutzfahrzeug für den europäischen Markt in Versionen mit 3,5 t und 4,25 t vorgestellt. BYD zielt vor allem auf Stadtlogistik, Paketdienste und Unternehmen, die in emissionsbeschränkten Zonen arbeiten. Im Vergleich zu Maxus ist der E-Vali im Verkauf noch nicht so häufig sichtbar, die Bedeutung der Marke ist jedoch groß. Wenn BYD ein starkes Händler- und Servicenetz für Nutzfahrzeuge aufbaut, kann das Unternehmen zu einem der ernsthaftesten chinesischen Akteure in diesem Segment werden.

BYD E-Vali Elektrotransporter aus China

Bildquelle: BYD

Ford Transit City

Ein eigener und sehr interessanter Fall ist der Transit City. Das Fahrzeug trägt zwar die Marke Ford, wurde aber in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partner JMC entwickelt. Das Modell soll ein Elektrotransporter für den Stadtbetrieb sein, also für kurze, regelmäßige und vorhersehbare Strecken. Es ersetzt den klassischen Ford Transit nicht, sondern ergänzt die Baureihe als günstigeres und einfacheres Werkzeug für Stadtlieferungen. Das zeigt, dass chinesischer Einfluss auf den europäischen Transportermarkt nicht nur neue Marken aus China bedeuten muss. Er kann auch über Kooperationen mit Herstellern entstehen, die seit Jahrzehnten in Europa präsent sind. Ist die Produktion in China ein Zeichen von Schwäche oder eine Antwort auf die Realitäten der heutigen Zeit? Diese Einschätzung überlassen wir Ihnen.

Ford Transit City Elektrotransporter entwickelt mit JMC

Bildquelle: Ford

Erobern chinesische Transporter den europäischen Markt?

Derzeit ist noch keine echte Bedrohung für die Position der beliebtesten europäischen Transporter zu erkennen. Chinesische Transporter werden zwar interessanter, konzentrieren sich aber oft auf konkrete Einsätze: Stadtverkehr, kurze Strecken, Lieferungen auf der letzten Meile und elektrische Flotten. In vielen Fällen sind sie auch für andere Straßenbedingungen, andere Nutzergewohnheiten und eine andere Marktstruktur ausgelegt als jene, die wir aus Europa kennen. Ausnahmen sind größere Modelle wie der Maxus Deliver 9 oder der Farizon SV, doch auch sie müssen ihren Wert im langen Betrieb erst noch beweisen.

Im Transportersegment zählt nicht nur der Kaufpreis. Für Unternehmen sind Serviceverfügbarkeit, Ersatzteile, Aufbauversionen, Zuverlässigkeit und schnelle Reparatur nach einer Panne oft wichtiger. Deshalb haben Ford Transit, Renault Master, Mercedes Sprinter, Volkswagen Crafter und Iveco Daily weiterhin einen großen Vorsprung. Chinesische Transporter in Europa werden an Bedeutung gewinnen, besonders in elektrischen Stadtflotten, doch derzeit sieht es nicht danach aus, dass sie schnell den gesamten Markt übernehmen.

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